Cochenillezucht und Malerfarbe

Kunst - Campari - Lippenstift

Auf vielen Quadratkilometern beherrscht auf Lanzarote zwischen Guatiza und Mala die Feigenkaktee (Opuntie) das Bild. Auf diesen stachligen, fleischigen Kakteen haben sich als Schmarotzer die Cochenille-Schildläuse niedergelassen.

Ursprünglich wurden die Feigenkakteen im 16Jh. von den Spaniern wegen ihrer wohlschmeckenden Früchte aus Mexico importiert. Ab ca. 1826 kamen die ersten Cochenilleläuse auf die Insel, und die Lanzaroteños begannen mit der Cochenille-Zucht. Der Wein-, Soda- und Zuckerrohrhandel steckte in der Krise, aber die aufkommende Textilindustrie brauchte zum Färben Unmengen von der roten Karminsäure - dem Farbstoff, der von der Cochenillelaus gewonnen wird.

Dieser neue Wirtschaftszweig war dann so erfolgreich, dass die ganze Familie, einschließlich der Kinder, bei der Ernte der Läuse mithelfen musste. So konnten viele Kinder und deren Kinder nicht in die Schule gehen. Doch ab 1880, mit dem Aufkommen der Anilinfarben, nahm dieser Boom ein abruptes Ende. Die Zucht der Läuse wurde daraufhin erheblich reduziert. Auf Lanzarote sind in und um Mala-Guatiza die Reste der ehemals glorreichen kanarischen Cochenillezucht zu bewundern. Heutzutage wird auf Lanzarote immerhin noch eine jährliche Menge von ca. 20 Tonnen produziert.

Bei der Zucht, wie in Mala und Guatiza, werden die Weibchen nach der Befruchtung in Stoffsäckchen gesammelt und gezielt auf die Kakteen gesetzt. Alle 2-3 Monate werden die Läuse geerntet. Sie werden ausgekocht, getrocknet und zu feinem Pulver zermahlen. Dieses Pulver enthält die begehrten Farbpigmente. Man braucht viele Läuse dazu: Ein Kilogramm Cochenille ergibt ca. 50 Gramm Karmin - und dazu braucht  man ca. 100-150.000 Läuse.

Karmin ergibt scharlach-bis karminrote oder purpurrote Töne. Der Farbstoff wird zum Färben von Stoffen und Schminken, als Malerfarbe und als Lebensmittelfarbe E120 (Limonaden, Wermut, Campari bis 2006) eingesetzt. Auch Orientteppiche werden mit dem „Läuseblut“ eingefärbt. Karmesinessigsäure eignet sich zum Fixieren und Färben genetischen Materials in der Mikroskopie.

Aus dem Tagebuch einer Inselmuse

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